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  • Urlaubsgrüße aus den Bergen

    Zieht es uns sonst im Sommer an Ost- oder Nordsee, wollten wir dieses Jahr hoch hinaus. Die Berge sollten es sein, wir wollten wandern, in Bergseen schwimmen, Burgen bestaunen, Gipfel erklimmen und Seilbahnfahren. Für jeden von uns sollte etwas dabei sein: sportliche Herausforderung, Kurzweil und ganz viel Natur. All das haben wir gefunden und noch viel mehr, am Fuße des höchsten Bergs Deutschlands und des fünfzehnhöchsten Österreichs. Wir waren in der Zugspitzregion Tirol.

    Der örtliche Tourismusverband gab der Region den Namen „Zugspitz Arena“, vermutlich aufgrund des Wintersports. Der Name sollte einen nicht täuschen und schon gar nicht von einem Urlaub abhalten. Denn es gibt zwar etliche Sommertouristen, aber die Region ist weit davon entfernt, eine laute, quirlige und hyperventilierende Sommerdestination zu sein. So unser Eindruck.

    Berge, Seen und mehr

    Panoramaweg (Bild: Tiroler Zugspitz Arena | U. Wiesmeier)

    Den Besucher erwartet ein breiter und grüner Talkessel, der umringt ist von Bergen. Kleine, nette Ortschaften fügen sich in die Landschaft ein. Für Familien ist der Platz ideal: Im Umkreis von weniger als 15 Kilometern befinden sich fünf Bergbahnen, die Zugspitzbahn eingeschlossen. Über 150 Wanderrouten stehen zur Verfügung, von Kindererlebnispfaden bis zu anspruchsvollen Steigen. Für Abkühlung sorgen kristallklare Bergseen, Badeseen, Quellen und Wasserfälle, für Abwechslung Bauernhöfe und Käsereien zum Mitmachen, ein Kletterwald, Schiffsrundfahren, Canyoning, Streichelzoo, Bogenschießen, Minigolf und anderes.

    Und wenn es regnet? Dann besucht man im Tal das Familienbad und die Indoorkletterhalle oder macht einen Ausflug zur Burgenwelt Ehrenberg (20 km), ins bayrische Garmisch-Partenkirchen (20 km), zum Märchenschloss Neuschwanstein (40 km) oder in das Freilichtmuseum Glenleiten (50 km).

    Es wird viel getan vom örtlichen Tourismusverband und den Betrieben, um Besucher in das Tal zu holen und auch dort zu halten. Neben den aufgezählten Freizeitangeboten gibt es zahlreiche Veranstaltungen, insbesondere für Familien. Organisierte Spielfeste, Sonnenaufgangsfahrten, geführte Wanderungen, Kletterkurse und Erlebnistage im Wald sind nur einige davon. Das Engagement und die liebevolle Umsetzung haben uns sehr positiv überrascht.

    Persönlicher Tipp: Die Orte Ehrwald und Lermoos gefielen uns am besten. Hier findet sich ganz bestimmt Platz auf einem Bauernhof oder Campingplatz, in einer Ferienwohnung oder einem Hotel.

    Unsere To-do-Liste:

    Unbedingt machen

    3-Seen-Wanderung (circa 12 Kilometer, nicht kinderwagentauglich)

    Blindsee (Bild: Ulrike Seifart)

    Eine wunderbare Rundtour, die das Herz berührt und zum Jauchzen verführt. Der Weg ist abwechslungsreich, es geht teils steil hoch und runter, durch Nadelwälder, auf Pfaden und breiten Wegen, vorbei an Wiesen und drei bezaubernden Seen. Der Blindsee ist der schönste. Viele lauschige Stellen laden zum Hineinspringen in das türkisblaue, grundklare Wasser ein. Da möchte man bleiben, ein Zelt aufschlagen und der untergehenden Sonne nachschauen. Entgegen der verlinkten Route ließen wir unser Auto beim Fernpass Nahe Weißensee stehen (mehrere Parkmöglichkeiten) und liefen von dort die Tour im Uhrzeigersinn. Den Römerweg kürzten wir ab und liefen direkt am Blindsee, westliche Seite entlang. Von dort führt ein steiler Weg nach oben zur einzigen Gastwirtschaft (Rasthaus Zugspitzblick) auf der Strecke.

    Wassererlebnisweg „Zugspitzi“ (3,1 km, nicht kinderwagentauglich)

    Wassertreten, Forschen, Spielen und dabei ein Rätsel lösen: Der Wassererlebnisweg ist schön in die Landschaft eingebettet, abwechslungsreich, nett gemacht und erfreut die Kinder. Perfekt für Tage, um bergmüde Füße auszuruhen und auch bei bewölktem Himmel. Einzig der Rätselgewinn, ein gestalterisch in die Jahre gekommener Pin, sorgte für ein langes Kindergesicht und sollte vom Tourismusverband geprüft werden. Er müsste auch nicht sein, der Weg ist Belohnung genug.

    Moosles Forscherpfad (2,2 Kilometer, nicht kinderwagentauglich)

    Ein weiterer empfehlenswerter Erlebnisweg mit verschiedenen Stationen wie Baumhaus, Spielplatz, Barfußpfad und Rätsel. Mit einer Brotdose als Gewinn bekleckert sich der Tourismusverband aber auch hier nicht mit Ruhm. Dann doch besser weglassen.

    Unter Umständen

    Seebensee (Bild: Ulrike Seifart)
    Seebensee (Bild: Ulrike Seifart)

    Seebensee-Wanderung (circa 10 Kilometer, auf Fahrweg kinderwagentauglich)

    Die Seenwanderung ist das touristische Aushängeschild der Region. Dadurch bekommt die aussichtsreiche Bergtour einen etwas bitteren Beigeschmack. Denn wir teilten uns den Weg mit gefühlten tausenden anderen Wanderern und E-Bike-Fahrern. Das Endziel, der kristallklare Seebensee, stimmte aber wieder milde.

    Burgenwelt Ehrenberg

    Hängebrücke „Highline 179“ (Bild: Burgenwelt Ehrenberg)

    Auf den ersten Blick schön, unverfänglich und nett, auf den zweiten Touristennepp: Wir sind in die Falle gegangen und besuchten mit Hunderten anderen Menschen aus Europa, Asien und dem Nahen Osten die Burgenwelt Ehrenberg, „buchten“ das ganze Programm mit Schatzsuche, Hängebrücke und Museen. Der als „zauberhaft “ beschriebene Schatzsuchweg entpuppte sich als öder Aufstieg zur Ruine, die mit 5,80 Euro erkaufte und didaktisch nicht ganz astreine Schatzsuche endete in einer CD-Rom fürs Kind. Einem Datenträger, der seine besten Zeiten lange hinter sich hat.
    Die mit 406 Metern angeblich längste Hängebrücke braucht vor allem eines: einen guten Gleichgewichtssinn und Angstfreiheit vor Höhe. Hatten wir, und trotzdem war die schaukelnde Konstruktion, die über eine Bundesstraße führt, kein Vergnügen. Dafür aber das Museum und die Naturausstellung, die beide liebevoll und kurzweilig gemacht sind. Von der ansässigen Gastronomie lässt man auch besser die Finger. Fazit: Außerhalb der Ferienzeiten, ohne Hängebrücken-Gedöns und Schatzsuche, mit Spazieren, Spielplatz- und Museenbesuch ist die Burgenwelt durchaus einen Ausflug wert.

    Besser lassen

    Zugspitze

    Die Zugspitze (Bild: Ulrike Seifart)

    Ja, tatsächlich – auf die Attraktion der Region, die Zugspitze, hätten wir im Nachhinein besser verzichtet. Zu teuer, zu laut, zu einseitig und wenig nachhaltig ist das kurz währende „Vergnügen“. Wohlgemerkt spreche ich von der Seilbahnfahrt. Zu Fuß den Berggipfel zu erklimmen, sei grandios, meint mein Mann. Zugegeben, die Aussicht oben ist phänomenal. Das konnte aber durch laut grölende Bahn-Mitfahrende und dem Trubel oben mit Weißwurst, Tschingderassabum und Souvenirstand nicht aufgewogen werden. An schönen Tagen ist zudem mit langen Wartezeiten zu rechnen.

    Übrigens hatten wir in zwei Wochen überwiegend bewölktes oder regnerisches Wetter. Trotzdem würden wir wieder in die Region fahren. Zu schön ist die Landschaft, zu vielfältig sind die Möglichkeiten, als das wir uns vom Regenrisiko abhalten lassen würden.

    (Titelbild: Seebensee, Tiroler Zugspitz Arena, U. Wiesmeier)

  • 007 bekommt Nachwuchs

    Man muss kein Bond-Fan sein, um dieses Buch zu mögen. Aber ein Freund von rasantem Tempo, Spannung und Einfallsreichtum. Und ob man jung ist oder alt, spielt eigentlich auch keine Rolle, denn den Lesespaß haben Kinder wie Erwachsene.

    Die vier Schatzsucher – In der Karibik

    von James Patterson und Chris Grabenstein

    Zugegeben, Bond-Filme sehe ich gerne. Die Mischung aus smartem Geheimagent, trockenem Humor, stylischer Technik und viel Action machen sie für mich spannend.
    Die Protagonisten des Kinderbuchs „Die vier Schatzsucher – In der Karibik“ könnten durchweg als James Bonds Nachwuchs durchgehen. Das Buch vermittelt jedoch, entgegen seines filmischen Vorbilds, zusätzlich Informatives zu Geografie, Schifffahrt und Allgemeinwissen, ganz ohne pädagogischen Unterton.

    Worum geht’s?

    Die vier Geschwister Bick, Beck, Storm und Tommy sind nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern allein mit dem Segelschiff unterwegs auf Schatzsuche. Dabei begegnen ihnen alle möglichen Fieslinge, von Piraten über Diebe bis zum Geheimdienst. Doch die Kinder sind clever und ihre besonderen Gaben, wie ein fotografisches Gedächtnis, lassen sie aus jeder noch so verzwickten Situation heil herauskommen und die Erwachsenen alt aussehen. Natürlich sind, ganz in Bond-Manier, allerlei Hilfsmittel im Einsatz etwa U-Boote, Helikopter, Geheimcodes und -verstecke oder daumennagelgroße Schatzkarten.

    Mein Fazit

    Selten habe ich ein Kinderbuch gelesen, das so spannend, temporeich und witzig zugleich ist. Wir konnten kaum die nächste Vorlesezeit abwarten. Darum gibt es von uns fünf von fünf Sternen.
    Mit 464 Seiten ist das Buch ein rechter Wälzer, doch die einzelnen Kapitel haben genau die richtige Länge und sind durch zahlreiche originelle Cartoons aufgelockert.

    Altersempfehlung

    Die Altersempfehlung des Verlages ist neun Jahre, bei Amazon wird sie mit sechs bis neun Jahre angegeben. Ich meine, zum Vor- oder Selberlesen eignet sich das Buch frühestens ab acht Jahre, dafür haben bestimmt auch 12-Jährige noch Freude am Buch. Und Erwachsene sowieso 😉

    Daten

    Die vier Schatzsucher – In der Karibik, von James Patterson und Chris Grabenstein

    Anmerkung

    Mit der Buchkritik bewerte ich ein selbst erworbenes Exemplar. Ich habe kein Rezensionsexemplar oder Vergütungen vom Verlag erhalten.

  • Das Muttertier

    Sticheleien, Seitenhiebe, Affronts, erhobene Zeigefinger, mahnende Worte: In Online-Mütterforen geht’s zur Sache, es wird gestritten bis aufs Blut. Warum ist das so und wie kann ich mich dem entziehen? Ein Erklärungs- und Lösungsversuch.

    „Cola macht die Knochen kaputt“, „Fernsehen für Dreijährige ist schädlich“, „Nur Stillen ist gesund“, „Nicht geimpften Kindern sollte man den Kindergarten verbieten“, „Schreien lassen ist das absolut Letzte“, „Ich würde nie dieses Fertigzeug füttern“.

    Solche oder ähnliche Aussagen sind Ihnen sicher schon begegnet in Online-Diskussionsforen oder Facebook-Gruppen. Eine ganze Armada von Kinderärzten, Ernährungsspezialisten und Erziehungsberatern ist dort unterwegs, so scheint es. Doch es sind Mütter wie Sie und ich. Mütter, die sich ereifern, die tadeln und verurteilen und einen Krieg führen. Einen Krieg untereinander. Nicht selten ufern die Dialoge aus, enden in Beleidigungen und persönlichen Angriffen. Mal subtil, versteckt zwischen den Zeilen, mal offensiv oder gar ordinär. Fast immer aber schwingt ein unausgesprochener Vorwurf mit: „Wie kannst du nur?“, „Hast du das etwa nicht gewusst?“, „Du bist unverantwortlich.“, „Du bist eine schlechte Mutter.“

    Warum ist das so? Was führt zu dieser, manchmal spießigen, oft ideologisch gefärbten Kommunikation?

    Ich begebe mich auf die Suche nach Antworten und werde schnell fündig, denn über die „Müttermafia“ und den „Mütterkrieg“ wird seit Jahren geschrieben und diskutiert – auf fachlicher und emotionaler Ebene. Der O-Ton und das Resümee sind dabei oft gleich. Ursache des mütterlichen Konkurrenzkampfes seien verschiedene Lebensmodelle, die aufeinanderträfen und es zu verteidigen gelte, etwa bei der Vollzeitmutter, die auf die berufstätige Mutter stieße. So erläutert es beispielsweise Friederike Otto, wissenschaftliche Leiterin des Forschungsverbundes Familiengesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover in einem Interview mit der Zeitschrift Brigitte. Auch Cornelie Kister, Autorin von „Mütter, euer Feind ist weiblich!„ ist überzeugt, dass die Wahl des eigenen Lebensmodells der Antrieb des Mütterkrieges ist. In einem Beitrag in Süddeutsche Zeitung Magazin schreibt sie: „[…] wenn die eigene Verteidigung schwierig scheint, muss eben zur Rechtfertigung das Lebensmodell der anderen infrage gestellt werden […].“

    Für mich greift dieser Ansatz kurz. Denn zum einen ist das Lebensmodell des digitalen Gegenübers meist nicht bekannt, zum anderen geht es in den Diskussionen oft um viel weniger als Grundsatzentscheidungen. Die Themen, um die gestritten wird, sind alltagsbezogen, es geht um Ernährung, Gesundheit, um Ausstattung und Erziehungsfragen.

    Warum also enden wir Mütter in diesem kleinlichen Hickhack?

    Mal abgesehen davon, dass das Internet die Hemmschwelle senkt und klassische Umgangsformen oft außer Kraft setzt, glaube ich, dass uns die Vielfalt an Möglichkeiten und das Überangebot schlichtweg überfordern und verunsichern. Wir leben in einer Welt, in der wir ständig abwägen und Entscheidungen treffen müssen. Mit dem ersten Kind stehen wir vor einer Flut von Entscheidungen, deren Grundlagen wir uns erst einmal erarbeiten müssen: Tragehilfe oder Tragetuch, Stillen oder Fläschchen, Reinigungstücher oder Wasser, Fertigbrei oder frisch kochen, Impfen jetzt, später oder gar nicht, Elternbett oder Wiege. Nichts ist uns wichtiger, als das Wohl und die Unversehrtheit des Kindes, und darum nehmen diese Fragen einen so hohen Stellenwert bei uns ein. Zur Entscheidungsfindung wälzen wir Bücher, fragen im Freundeskreis, lesen Experteninterviews.

    Erschwert wird dieser Prozess durch das schier unglaublich große Produktangebot und die Vielfalt an Möglichkeiten. Allein zum Thema Impfen gibt es über 300 deutschsprachige Bücher auf dem Markt, die meisten mit unterschiedlichen Standpunkten. Bei den Tragesystemen sind derzeit rund 55 Modelle im Umlauf und ebenso viele Pros und Contras.

    „Unsere Entscheidungen sind Haltegriffe, an denen wir uns durch den Alltag mit den Kindern hangeln.“

    Treffen wir unsere Entscheidung, beruht die entweder auf Empfehlungen von außen, auf einem besseren Bauchgefühl, einer These, die uns am ehesten entspricht oder einer Summe aus allem. An unserem mühsam erarbeiteten Entschluss wollen wir festhalten, denn er gibt uns Sicherheit. Unsere Entscheidungen sind Haltegriffe, an denen wir uns durch den Alltag mit den Kindern hangeln. Wir bauen aus ihnen und aus unseren Regeln und Werten eine eigene, sichere Welt und vergessen dabei manchmal, dass es draußen viele andere Welten gibt, die genauso gut funktionieren. Stattdessen verteidigen wir unsere Entscheidungen und unsere Lebensweise vehement nach außen, geben sie, gefragt oder ungefragt, als Ratschlag weiter. Und wir fühlen Erleichterung, wenn wir darin bestärkt werden durch andere, die ähnlich ticken wie wir. Das kann aber nur ein Bruchteil sein, der Rest lebt anders und macht es anders. Und hier genau liegt der Hund begraben.

    Was also können wir tun, für ein angenehmes Miteinander und für uns selbst?

    Zurückblicken und Entspannen:
    Beim zweiten Kind wird alles anders: Mütter mit mehr als einem Kind sind oft tiefenentspannt. Was beim „Ersten“ noch wichtig war, relativiert sich ab dem „Zweiten. Ich habe selbst zwar nur ein Kind, kann aber rückblickend oft nicht mehr nachvollziehen, warum ich um vieles so ein Aufhebens gemacht habe. Vielleicht können wir uns mit diesem Wissen die Entscheidungsfindung erleichtern. Es gibt nicht das Optimum, aber es gibt viele Lösungen, die gleich gut sind.

    Mir hilft auch der Blick zurück auf meine eigene Kindheit. Vieles, was damals Usus war, wird heute unter Müttern geächtet. Und? Macht das unsere Mütter zu schlechteren Menschen? Sind wir, die häufig nicht gestillt, dafür aber fremdbetreut wurden und die Cola tranken traumatisiert oder sonst irgendwie geschädigt? Für mich selbst kann ich das ausschließen.

    Bewusst werden:
    Oft sind es nur Satzfragmente im Internet, die unsere inneren Warnlampen aufleuchten lassen: Warum bitteschön ist ein Dreijähriger allein Zuhause? Wie kann die Mutter vergessen, ihr Kind abzuholen? Hier ist es sicher hilfreich, innezuhalten und sich bewusst zu werden, dass dies nur eine Momentaufnahme ist. Wir kennen weder die Umstände noch die Hintergründe, die zu dieser Situation führten.

    Abstand halten
    Das Internet provoziert geradezu Missverständnisse. Unser Austausch läuft ausschließlich über das geschriebene Wort und es fehlt die nonverbale Kommunikation. Das kann schnell zu Fehlinterpretationen führen und eine unverfänglich gemeinte Frage wird so als persönlicher Angriff verstanden. Ich glaube nicht, dass sich dies durch Ping-Pong-Mailerei klären lässt. Hier hilft wohl nur, innerlich Abstand und seine Emotionen zurück zu halten.

     

    Neben den Zwistigkeiten möchte ich aber nicht vergessen zu betonen, dass das Internet, und insbesondere die Müttergruppen, mir bei vielen Alltagsfragen behilflich war und immer noch ist. Und das wiegt für mich letztendlich alles andere auf.

    In diesem Sinne auf ein gutes Miteinander!

    PS: Die Aussagen am Anfang des Textes sind reale „Fundstücke“ aus Facebook.

     

     

    (Bild: Schafe, suju, Lizenz: Creative Commons CC0)

  • Fischers Fritze

    Käpt’n iglo ist in Rente, es lebe das Fischstäbchen!

    Fischstäbchen aus dem Handel eilt mitunter der Ruf voraus, sie würden aus Fischabfällen hergestellt werden. So ist es aber nicht. Für Fischstäbchen wird heutzutage fangfrischer Fisch an Bord ausgenommen, die Filets werden zu großen Blöcken gepresst und tiefgefroren. Fischverarbeitende Betriebe zersägen die Blöcke dann zu Stäbchen, die anschließend paniert und vorgebacken werden.

    Allerdings sind Panade und Backfett vielleicht nicht ganz „das Gelbe vom Ei“: Das Fischstäbchen muss nur zu mindestens 65 Prozent aus Fisch bestehen, den Rest „darf“ die Panade auffüllen. Beim Vorbacken in der Fabrik und beim Frittieren zu Hause, saugt sich die dann mit reichlich Öl voll. Gemäß einer Auswertung von Stiftung Warentest im Jahr 2008 decken fünf Fertigfischstäbchen rund 80 Prozent der Fettmenge, die Kinder bei einer Hauptmahlzeit höchstens essen sollten.

    Warum also die Fischstäbchen nicht selbst machen? Wie das geht, wissen vermutlich die meisten. Das Rezept ist darum auch nicht der Aufhänger des Beitrags. Es geht vielmehr um einen Trick in der Zubereitung.

    Panieren ohne „Sauerei“

    Eine Hand hält eine Tüte mit Semmelmehl

    Die große „Sauerei“ beim Panieren kann mit einem kleinen Trick umgangen werden: Dazu Mehl und Semmelbrösel in je einen Beutel geben (siehe Foto). Zwei bis drei Fischstücke können so durch Hin- und Herschütteln gleichmäßig und sauber paniert werden.

    Als Beilage passt das von Kindern oft heißgeliebte Kartoffelpüree oder der Kartoffelstock mit Seeli, wie die Schweizer eher sagen. Bei Gemüsemuffeln lassen sich dort gut Möhren, Blumenkohl, Kohlrabi oder Sellerie verstecken. Das Gemüse wird zusammen mit den Kartoffeln gekocht, abgegossen, abgedämpft und gestampft. Nach dem Stampfer setze ich übrigens noch den Mixer ein. Auf kleinster Stufe wird die Masse nicht klebrig, sondern locker.

     

    (Bild Fische: Skeeze, Pixabay, Lizenz: Creative Commons CC)

  • Fünf neue Wochenend-Ideen für Familien

    Zoo? „Och nö, nicht schon wieder“. Spazieren? Spielplatz? Basteln? „Keine Lust“. Kennen Sie das? Es mangelt nicht an Vorschlägen, aber keiner kann so wirklich überzeugen, weder Eltern noch Kind/er. Was also tun am Wochenende?

    Denken Sie mal um die Ecke, oder wechseln Sie die Perspektive. Viele Möglichkeiten liegen ganz nahe. Manche erscheinen im ersten Moment sehr gewöhnlich. Machen Sie sie trotzdem. Sie gewinnen sicher viel dabei, lernen Neues kennen und haben gemeinsam Spaß. Und dass die meisten nichts oder kaum etwas kosten, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Hier kommen fünf neue Wochenend-Ideen:

    Stadtbesichtigung auf unbekannten Wegen

    Eine Familie spaziert im Regen
    Die Stadt neu entdecken, auch bei Regen.

    Sie glauben, Sie kennen Ihre Stadt? Dann nehmen Sie doch mal die Straßenbahn, U-Bahn oder den Bus und steigen an einer unbekannten Station aus.

    Entdecken Sie die Umgebung, laufen Sie durch die Straßen, schauen Sie in Hinterhöfe und Vorgärten. Vielleicht kommen Sie durch schöne Parkanlagen oder ein Waldstück, an einem Teich oder Spielplatz vorbei? Ein nettes Café lädt zu einer Rast ein, eine kleine Galerie zum Hineinschauen, ein Antiquariat zum Stöbern.

    Auch Industriegebiete können interessant sein und wenn nicht, ist die nächste Haltestelle zum Weiterfahren sicher nicht weit. Mitnehmen: Stadtplan, Picknick, Wasserflasche

    Essen anderswo

    Glas Milch, Bagels, Johannisbeeren im Gras
    Frühstück im Freien schmeckt doppelt gut und macht Laune.

    Weg vom Tisch, lautet die Devise. Suchen Sie sich einen neuen Platz zum Essen: Frühstück mit frischen Brötchen, Marmelade und Kaffee im Park oder am See, Mittagessen mit Aussicht unter der Kastanie auf dem Hügel, Abendbrot auf einer Decke im Garten. In einem Wäschekorb lässt sich alles gut verstauen und transportieren, auslaufsichere Thermobehälter halten Braten und Eintopf warm. Mit Servietten und Tischtuch können Sie das Essen zelebrieren, denn es geht nicht um ein Picknick, sondern ein Essen, wie Sie es sonst Zuhause am Tisch einnehmen. Die Kinder sind sicher mit Feuereifer dabei und können zum Beispiel den Platz im Garten hübsch gestalten. Mitnehmen: Federballspiel, Mau-Mau, andere Spiele

    Querfeldein

    Hoch und runter, durchs Gehölz, über Gräben – für Kinder ist der Wald ein großer Spielplatz.

    Mit den bekannten Wald- und Wanderwegen lösen Sie keine Begeisterung mehr aus? Dann laufen Sie mal querfeldein. Runter vom Weg direkt in den Wald hinein warten viele Entdeckungen, denn bei dieser ungewöhnlichen Fortbewegung ist man langsamer unterwegs, und die Augen sehen mehr. Meist ist der Untergrund nicht trittfest, Äste müssen überstiegen und Laub oder Büsche durchquert werden, steil geht es hoch und runter, umgestürzte Bäume laden zum Balancieren ein. Planen Sie ein Picknick ein, die Kinder dürfen den Platz aussuchen. Machen Sie zwischendurch immer wieder kurze Pausen und schulen Sie Ihre Sinne: Augen schließen und Geräusche zuordnen, mit verbundenen Augen sich führen lassen, mit den Händen verschiedene Materialien (Baumrinde, Moos) ertasten oder daraus Muster legen, Tannenzapfen-Weitwurf, eine Zwergenhöhle bauen oder besser noch eine Schutzhütte für Sie selbst, einen Wanderstock oder eine Pfeife schnitzen. Mitnehmen: Lange Kleidung, trittfeste Schuhe, Kompass, Picknick, Wasserflasche, Fernglas, Augenbinde, Becherlupe, Taschenmesser

    Einen Subbotnik machen

    verrostete Büchse im Gras
    Schmuddelecken gibt es überall.

    Einen bitte was? Das Wort Subbotnik kommt aus dem Russischen und beschreibt einen unbezahlten Arbeitseinsatz. Das klingt nun alles andere als sexy, einverstanden. Aber so ein Einsatz kann viel bewirken: raus aus dem Trott, Vermittlung von Werten, Achtsamkeit und sozialem Engagement, Festigung der Familie und anschließend ein richtig gutes Gefühl für alle. Und wie geht das?

    Sie können in der Familie alleine ein Projekt starten. Schauen Sie sich dazu in Ihrer nächsten Umgebung um: Überall gibt es Ecken, Wiesen, Waldstücke, die mit Flaschen, Papier und Verpackungen vermüllt sind. Schnappen Sie sich Mülltüten und feste Arbeitshandschuhe und sammeln Sie gemeinsam den Müll ein. Die Kinder brauchen, je nach Alter, vorab Aufklärung, wovon sie besser die Finger lassen. Um dem Enthusiasmus keinen Dämpfer zu verpassen, fragen Sie bei der zuständigen Behörde oder dem Besitzer vorher kurz an. Vielleicht können Sie die Nachbarschaft für den Einsatz und sogar die Presse mobilisieren, ganz nach dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“.

    Wer keinen Alleingang mag, schließt sich anderen an. So werden immer Freiwillige für Arbeitseinsätze gesucht, oft für die Pflege von Sport- und Spielplätzen. Die Aufrufe dazu finden sich im Amtsblatt oder Stadtmagazin. Sonst bei der Gemeinde nachhaken. Ebenso gibt es Aktionstage wie den Clean-Up-Day, eine Mitmachaktion in ganz Europa. In der Schweiz ist der nächste Clean-Up am 8. und 9. September, in Deutschland und anderen Ländern jeweils März bis Mai. Dazu kommen noch lokale Reinigungsaktionen wie der Küstenputztag am 16. September.

    Es gibt so viele und vielfältige Angebote für soziales Engagement von Familien, dass ich dem Thema einen weiteren Blogpost widmen werde. Haben Sie Ideen und Anregungen? Dann kommentieren Sie doch bitte oder schreiben Sie mir eine E-Mail. Danke!

    Hausflohmarkt

    Kleider auf Bügeln
    Kleider, die man ein bis zwei Jahre nicht getragen hat, wird man auch nicht mehr tragen.

    Die Zimmer der Kinder quellen über? Im Keller stapeln sich ungebrauchte Dinge, die Garage dient mehrheitlich als Hort für Sachen, die sonst nirgends Platz finden? Zeit für einen Familienflohmarkt! Misten Sie gemeinsam aus, und trennen Sie sich leichten Herzens von dem Zuviel. Hilfreich dabei ist folgende Faustregel: Behalten Sie nur, was mindestens einmal im Jahr genutzt wird, bei Kleidern gilt, was die letzten ein bis zwei Jahre getragen wurde. Mir hilft beim Ausmisten der Gedanke, dass ich alles, wenn nötig, auch wieder gebraucht erwerben könnte. Die Kinder gestalten die Plakate, die ein bis zwei Wochen vor dem Termin aufgehängt oder in Briefkästen geworfen werden. Besprechen Sie vorher, was mit dem Erlös geschieht. Schön wäre zum Beispiel ein gemeinsamer Ausflug. Oder Sie spenden den Gewinn an eine Organisation, die Sie zusammen aussuchen. Das setzt ein Zeichen und prägt Ihre Kinder in positivem Sinne. Zudem ist es ein gutes Verkaufsargument. 😉

    Sie haben weitere Vorschläge für neue und ungewöhnlichere Familienunternehmungen? Dann her damit. Ich plane noch weitere Blogposts zum Thema.

     

    Bilder: Pixabay (Kleider: JamesDeMers, Dose: PublicDomainPictures, Frühstück: Klimkin, Kinder im Wald: barbaramatthijs, Familie im Regen: Candoyi, Kinder Huckpack: pexels)

  • Zitroniger Nudelsalat

    Nudelsalat mit Wurst und Zitrone? Und das soll schmecken? Für mich klang diese Kombination abwegig. So lange, bis ich sie probiert habe. Sehr lecker. Und ein Star beim Essen unter freiem Himmel. Ist auch am nächsten Tag noch bissfest und eignet sich perfekt für das Picknick im Park oder als Beilage beim Grillen.

    Für LeserInnen aus der Schweiz sind alternative oder anderslautende Zutaten in Klammern gesetzt.

  • 5 Tipps und Touren für Kühlungsborn

    Zu Fuss, mit dem Fahrrad und der Dampflok, vorbei an Weizenfeldern und Kletterwald, Aussicht vom Leuchtturm und von der Steilküste, Pause beim Gutshof und im Strandkorb, bummeln durch alte Häfen und Seebäder: Hier kommen die fünf besten Tipps und Touren ab Ostseebad Kühlungsborn für Familien.

    Im letzten Blogbeitrag schrieb ich über das Ostseebad Kühlungsborn als einen perfekten Familienurlaubsort und versprach Tipps für Unternehmungen.

    Hier kommen nun von uns fünf erprobte Freizeittipps für aktive Familien mit Kindern ab 0 Jahren. Einfach bookmarken, ausdrucken und machen. Das Beste daran: Die Touren sind Rundtouren mit verschiedenen Höhepunkten und zumeist tagesfüllend. Ausgangspunkt ist immer Kühlungsborn Ost.

    1. Wanderung mit Ausblick und Rückfahrt mit Dampf

    Ein hübscher, grüner und abwechslungsreicher Weg (6 Kilometer) zum Seebad Heiligendamm startet ab Seebrücke Richtung Osten und ist mit Kinderwagen begehbar. Alternativ kann die Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt oder am Meer entlanggelaufen werden. Es geht lange schnurgerade, nach rund 4 Kilometern macht der Weg eine Rechtskurve. Kurz dahinter geht ein Pfad links durch das Wäldchen und schlängelt sich am „Deck Beach Club“ vorbei. Klingt elitär und ist es ein bisschen auch. Aber Platz, Interieur und Aussicht sind grandios. Das Essen ebenso. Nach dem Beach-Club den Pfad zur Steilküste einschlagen und die verwunschene und windzerzauste Landschaft bewundern. Mit Fahrrad und Kinderwagen muss stattdessen der breite Weg genommen werden.

    Heiligendamm, bekannt vom G8-Gipfel 2007, wirkte auf uns etwas unheimlich. Die „Weiße Stadt am Meer“ mit ihren klassizistischen, weißen Bauten und den großen Freiflächen ist Endpunkt der Tour und Abfahrtsort der alten Schmalspur-Dampflok Molli, die uns wieder zurück nach Kühlungsborn, oder sogar bis Bad Doberan, bringt. Das richtige für Nostalgiker und für Kinder sowieso.

    2. Wunderbares Land – Fahrradtour

    Wogende Weizenfelder, leuchtend roter Mohn, gewundene Wege, ein stetiges leichtes Auf und Ab und immer wieder neue Ausblicke auf Haine, Meer und Himmel: Diese Fahrrad-Rundtour ist so wunderbar abwechslungsreich und naturschön, dass sie auf ihren rund 31 Kilometern nicht einen Moment langweilig wird.

    Befahren werden ausschließlich befestigte Wege, es geht vorbei an einem Leuchtturm und am Gutshof Bastorf, an Pferdekoppeln und Badeorten. Fahrraderprobte Kinder ab etwa 8 Jahre können die Tour bewältigen, die Strecke ist für Fahrradanhänger geeignet. Fahrradvermietungen inklusive Kindersitzen und -anhängern gibt es wie “Sand am Meer”. Wegbeschreibung

    3. Ein Tag am Meer

    Eine Feder im Sand

    Natürlich, zum Ostseeurlaub gehören Strandtage. Bei unserem einwöchigen Aufenthalt gab es davon zwei, und wir beschränkten uns auf die Strandabschnitte links und rechts von der Seebrücke. Die Vorteile dort: Etwa alle 300 Meter befindet sich ein Strandkorbverleih (unbedingt einen mieten und seine anheimelnde und einschläfernde Wirkung testen) , ebenso schnell erreicht sind die öffentlichen Toiletten.

    Und wer am Mittag einen Imbiss zu sich nehmen möchte, wird ebenfalls fündig. Unser Tipp: „Pauls Fischerhütte“, vom Strand gesehen links von der Seebrücke, verkauft knackfrische Fischbrötchen. Gleich nebenan ist ein toller Spielplatz.

    Ausgestattet mit Kescher und Eimer fanden wir am Strandabschnitt kurz vor dem Yachthafen bei der Mole Ostseegarnelen. Nur zum Angucken, nicht zum Essen. Wer zuhause einen Drachen hat – einpacken! Die Gelegenheit zum Steigen lassen ergibt sich bestimmt, Lenkdrachen sind am Strand allerdings nicht erlaubt.

    4. Immer der Promenade entlang

    Auf dem 2 Kilometer langen Promenadenweg von der Seebrücke Ost nach Kühlungsborn West kommen Spaziergänger nur langsam voran. Immer wieder gibt es interessante Dinge zu entdecken: Einen originalen Grenzwachturm der DDR und zwei Spielplätze, der schönere davon, ein Abenteuerspielplatz, liegt hinter dem Restaurant Nordblick. Das Meer wartet auf Stippvisiten und nach dem Gaststübchen Kuddel-Daddel-Du geht es zum Kletterwald Kühlungsborn mit Parcours für Kinder ab 5 Jahre. Das Ende der Promenade in West mündet in einen großen Platz, der vom Café Baltic dominiert wird, einer neobarocken, seit 20 Jahren geschlossenen Villa. Wer morbides mag, hat hier seine Freude. Für den Rückweg bieten sich zwei Möglichkeiten an: Fußlahme nehmen den Bäder-Express (ein kleines Touristen-Züglein), alle anderen die legendäre Ostsee-Allee. Durch die fährt zwar auch der Bäder-Express, eindrücklicher ist es aber, die Prachtstraße mit ihren Gründerzeit-Villen zu Fuß zu entdecken.

    5. Warnemünde: Hochhaushohe Schiffe und Hafenliebe

    Boote auf einem Strom am Abend mit Beleuchtung

    Rund 30 Kilometer von Kühlungsborn liegt das Seebad Warnemünde, das zu Rostock gehört. Das Wahrzeichen der Stadt, der Leuchtturm, ist begehbar. Wer höher hinaus will, besucht das 64 Meter hohe Hotel Neptun, fährt in die 19. Etage (Cafe, geöffnet von 13 bis 18 Uhr) und beobachtet die Schiffe beim Ein- und Auslaufen. Spannend ist ein Besuch des Kreuzfahrthafens. Die Kolosse, mit einer Höhe von über 50 Metern aus nächster Nähe zu sehen, ist sehr eindrücklich. Beschaulich und pittoresk geht es am „Alten Strom“ zu, einem Mündungsarm der Warnow. Neben historischen Ausflugsschiffen (Hafenrundfahrt!) sind hier Fischkutter vertaut, in den hübschen Gibelhäusern befinden sich Geschäfte, Cafes und Restaurants.

    Viel Spaß!

    Haben Sie Tipps, Anregungen, Kritik? Dann her damit!

     

    (Bilder: Bäderbahn, Sir James, Linzenz: CC BY 4.0 / Bastorfer Leuchtturm, Touristik Service Kühlungsborn GmbH / Feder, rot grad, Lizenz: CC BY-ND 2.0 / Abendbild, Martin Künzel, Linzenz: CC BY-SA 3.0)

  • Ostseeorte für Familien: Kühlungsborn

    Wind, Sonne, Wellen, dazu elegante Bäderarchitektur, ein grünes Hinterland, ganz viel abwechslungsreiche Natur und tolle Angebote für Familien von Leuchtturm über Dampflok bis Hansestadt – das ist Kühlungsborn. Eine Empfehlung.

    Rügen, Usedom und Fischland-Darß sind den meisten als ostdeutsche Ostseeperlen bekannt. Das westlich von Rostock gelegene Städtchen Kühlungsborn gerät bei der Urlaubsplanung dagegen oft in Vergessenheit. Und das ganz zu Unrecht, wie wir in den Pfingstferien feststellten. Der gepflegte Ort mit seiner sanierten Jugendstil-Bäderarchitektur bietet alles, was Familien wünschen: Die meisten Strände sind feinsandig und flach zum Meer abfallend, die fast 4 Kilometer lange Strandpromenade ist Kinderwagen-, Laufrad und Inliner-tauglich, attraktive Spielplätze mit anliegenden Restaurants erfreuen Kinder und Eltern. Die belebte Strandstraße lädt zum Bummeln ein, und das grüne Hinterland ist durchzogen von abwechslungsreichen Fahrrad- und Wanderwegen.

    Jung und Alt macht es harmonisch

    Auffallend für uns war der hohe Altersdurchschnitt. Nach Aussage der Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH liegt der Anteil der über 60-jährigen Urlauber in Kühlungsborn bei 33 Prozent, der 31- bis 40-jährigen dagegen nur bei 12 Prozent. Allerdings kämen in den Ferienzeiten wesentlich mehr Familien mit Kindern, sagt Katja Seppelt vom Touristik-Service. „Grundsätzlich freuen wir uns aber, dass wir ein bunt gemischtes Urlauberpublikum haben“, so Seppelt. Dem können wir nichts hinzufügen. Wir haben die sympathische und harmonische Atmosphäre Anfang Juni sehr genossen.

    Die kulturellen und sportlichen Veranstaltungen richten sich dann eben auch an ein breites Publikum. Von Juli bis September stehen aber die Kinder im Mittelpunkt. Angeboten wird ein Kinderprogramm mit verschiedenen Mottos. Eigentlich sind wir keine Freunde von organisierter Kinderanimation. Das Programm mit Strandolympiade, Sandburgenwettbewerb, Piratentag und Schnitzeljagd hat aber selbst uns angesprochen.

    Es gibt kein schlechtes Wetter

    Und wenn es regnet? Nun, zuerst einmal „gibt es kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung“. Dieses Sprichwort hat sich mir erst erschlossen, als ich Mutter wurde und Pumps gegen Gummistiefel und Blazer gegen Softshelljacke tauschte. Warm eingepackt bei stürmischem Wind und tosenden Wellen an der Ostsee zu laufen, durchlüftet und macht glücklich (PS: Eine Regentänzerin bin ich aber immer noch nicht). Sonst sind für trübe Tage das größere Seebad Warnemünde, das historische Bad Doberan und die Hansestadt Rostock nur einen Katzensprung entfernt. Und dabei darf nicht vergessen werden, dass das Wetter an der Ostsee minütlich wechseln kann. War es am Morgen noch wolkenverhangen, so strahlt am Mittag der Himmel blau. Andersherum geht es natürlich auch.

    Was die Ostsee ausmacht

    Über all den Angeboten und Aktivitäten steht aber das, was die Ostsee für mich ausmacht: Das unverwechselbare Zusammenspiel von Wellen, Wind, Seeluft und der betörend schönen, ursprünglichen Landschaft, die manchmal wie ein zu groß geratener Bauerngarten vor einem liegt. Getreidefelder, Sandwege, Kiefernwälder, kleine romantische Dörfchen mit reetgedeckten Bauernhäusern und die Steilküste: Das ist „mein Bullerbü“. Und vielleicht wird es auch das Ihrige?!

    Im nächsten Blogbeitrag gebe ich fünf Tipps für Unternehmungen ab Kühlungsborn.

    (Bilder: Strandkorb und Blumenwiese, Frank Behrens, Linzenz: CC BY-SA 2.0, Seebrücke, Matthias v.d. Elbe, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

  • Trendsport Parkour

    Springen, balancieren, klettern – und das nicht unbedingt nur in der Natur, sondern direkt vor der Haustür. Parkour ist ein Sport, der weder eine teure Ausrüstung braucht, noch einen speziellen Ort. Jens Rößler, Gründer der Parkour-Gruppe Heidelberg und Trainer für Kinder und Jugendliche, erläutert im Interview weitere Vorteile.

    Auf vier Fingern pfeifen, lässig eine Augenbraue heben, freihändig Fahrrad fahren: Was ich heute noch kann, basiert auf langem, hartem Training in Jugendzeiten. Cool damals war, wer das konnte. Unangefochtene Nummer Eins in Sachen Coolness war allerdings das einhändige Überspringen von Zäunen und Mauern. Genannt „Passement Rapide“, wie ich mittlerweile weiß, und eine Technik in der Sportart Parkour.

    Eher zufällig sehe ich ein Video über den Trendsport. Junge Männer springen darin von Dach zu Dach, überwinden in atemberaubender Geschwindigkeit Geländer, Balustraden und Treppen, stürzen sich in Rückwärtssalti von hohen Simsen. „Wahnsinn“, denke ich und bin beeindruckt. Und genau das sei auch für viele die Motivation, mit Parkour anzufangen, sagt Jens Rößler, Gründer der Parkour-Gruppe „Flying Monkeys“ in Heidelberg: „Wenn man mit Parkour in Berührung kommt, dann meist über Youtube-Videos. Dort sieht das Ganze extrem rasant und gefährlich aus.“ Doch diese Videos seien vergleichbar mit einer Show, so Rößler. „Dahinter steckt jahrelanges und hartes Training. Das sind Profis, und die verdienen damit ihr Geld.“

    Porträtfoto von Jens Rößler
    Jens Rößler, Parkour-Trainer und Gründer der „Flying Monkeys“ (Bild: Ulrike Seifart)

    Jens Rößler gibt ehrenamtlich in Heidelberg Parkour-Kurse für Kinder und Jugendliche. Aber ist dieser Sport für Kinder überhaupt geeignet, Herr Rößler?

    Ja, unbedingt! Das normale Training findet meist niedrig statt mit Techniken, bei denen man sicher ist, dass man sie kann. Viele Übungen aus den Videos, wie Flickflack oder Salto, kommen streng genommen gar nicht aus Parkour sondern gehören zum Freerunning.

    Und was genau ist Parkour?
    Kurz gesagt ist Parkour die Kunst der effizienten Fortbewegung, und gründete ursprünglich auf einem Fluchtgedanken. Also, wie komme ich so schnell wie möglich von A nach B.

    Was lernen die Kinder in Ihren Kursen?
    In den Kursen nutzen wir den natürlichen Bewegungstrieb der Kinder und bauen darauf auf. Wir üben zum Beispiel Präzisionssprünge und Abrollen, wir erklettern Mauern, machen Balancespiele, um das Körpergefühl aufzubauen und leichtes Krafttraining.

    Springen, Abrollen, Balance – das klingt eigentlich sehr förderlich. Steigt denn das Verletzungsrisiko für mein Kind mit dem Sport oder sinkt es gar?
    Das Verletzungsrisiko bei Parkour ist relativ gering, weil die Kinder lernen, sich selbst einzuschätzen. Sie wenden nur Techniken an, bei denen sie sicher sind, dass sie sie können. Und für den Fall, dass etwas passiert, haben sie schon vorher eine Notlösung parat. Im Vergleich zu Mannschaftssportarten ist das Verletzungsrisiko viel geringer.

    Eine Notlösung vorab – wie muss ich mir das vorstellen?
    Vor jedem Sprung, den ich noch nie gemacht habe, überlege ich mir, was passieren könnte, um mich mental darauf vorzubereiten.  Ein Beispiel: Ich möchte auf eine Mauer springen und weiß, dahinter geht es tief runter. Dann muss ich mir vorher überlegen, was passiert, wenn ich zu viel Schwung bekomme. Eine Lösung wäre, dass ich mich den Hang herunterrollen lasse. Das Abrollen übe ich natürlich vorher. Diese mentalen Einstellungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kurse.

    Ein Kind balanciert auf einer Stange, Jens Rößler läuft nebenher.
    Mit dem Balancieren wird der Gleichgewichtssinn trainiert. (Bild: Ulrike Seifart)

    Welche sind aus Ihrer Sicht die überzeugendsten Argumente für den Sport?
    Parkour ist etwas sehr Natürliches, der ganze Körper ist dabei. Die meisten, die ich kenne, haben mit Parkour eine positive Entwicklung vollzogen. Nicht nur, was die Fitness angeht, sondern auch der Umgang mit Anderen. Denn Parkour ist kein Wettkampf, es geht nicht darum, besser zu sein, als andere. Parkour ist ein Miteinander, man gibt sich gegenseitig Hilfestellungen, ist respektvoll und gönnt anderen den Erfolg.

    Wenn ich an das oft verhasste Bockspringen im Schulsport denke, bringt Parkour da vielleicht Vorteile?
    Auf jeden Fall. Wer Parkour macht, hat es ganz sicher leichter bei Bocksprung oder Reckturnen. Das höre ich oft von den Kindern. Neben den Kursen mache ich auch Lehrerfortbildungen, denn an vielen Schulen wird mittlerweile Parkour als einleitendes Element im Schulsport angewandt.

    Welches ist das beste Alter, um einzusteigen?
    In unseren Kursen fangen wir ab neun Jahren an. Das aber eher spielerisch. Erst mit 11 oder 12 Jahren beginnen wir, richtige Techniken zu trainieren.  Grundsätzlich kann jeder anfangen, der will. Nach oben gibt es sowieso keine Altersgrenze. Ich würde nur nicht zu jung beginnen, weil die Kinder motorisch noch nicht so weit sind, und es auch für die Gelenke nicht so günstig ist.

    Was wird an Ausrüstung benötigt?
    Nichts Spezielles. Bei den Schuhen tut es jeder Turnschuh. Normale Laufschuhe sind super, man sollte nur darauf achten, dass die Sohle durchgängig ist und keine aufgeklebten Elemente hat. Ansonsten genügt bequeme Kleidung.

    Und wo kann ich den Sport ausüben?
    Überall – das ist ein weiterer positiver Punkt. Ob im Park, vor dem Haus oder in der Halle, Parkour ist alltagstauglich. Unsere Kurse finden im Freien statt, andere in der Halle.

    Die „Flying Monkeys“ sind eine Gruppe von Athleten und Trainern in Heidelberg, die sich zum Ziel gesetzt haben, Parkour weiter zu vermitteln. Sie stellen Trainer für Jugendeinrichtungen, Schulen und Sportvereine und geben Shows.

    Über Google findet man verschiedene Kurse und Angebote in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. Die ParkourONE GmbH mit Angeboten in vielen Regionen Deutschlands und der Schweiz ist sicher eine gute Anlaufstelle für weitere Informationen.

  • „Sie“ oder „du“ – das Dilemma bei der Anrede

    Die Autorin des Blogs favorisiert ein digitales „Sie“. Auch weil damit schwerer gepöbelt werden kann. Aber mehr noch, weil sie den Blogbesuchern ihren Respekt zollen möchte.

    Kennen Sie das? Sie treffen auf eine freundliche und zugewandte Person, ein Gespräch beginnt. Aber Sie fühlen sich während des Gesprächs etwas unwohl, weil die Person Ihnen körperlich zu nahesteht.  Vielleicht machen Sie einen Schritt zurück oder wenden ein wenig Ihren Körper ab.
    So ähnlich ergeht es mir oft, wenn ich von Unbekannten überraschend geduzt werde. Dieses “du„ irritiert mich, es ist für mich eine Vertraulichkeit, die ich mit dem Menschen gar nicht haben kann. Im Alltag draußen passiert das selten, in der digitalen Welt dagegen täglich. Warum gibt es diesen Unterschied? Oft kommt an dieser Stelle das Argument, dass es eben üblich sei, sich bei Facebook, in Foren und eben auch Blogs zu duzen. Aber wie lässt es sich logisch erklären, dass beispielsweise die unbekannte Mutter in der Facebookgruppe geduzt wird, aber bei einem Aufeinandertreffen auf der Straße selbstverständlich gesiezt werden würde?

    Konsequent inkonsequent

    Es ist dieser nicht nachvollziehbare Bruch, der das Handling von „Sie“ und „du“ im Alltag heute so schwierig macht, und er sorgt für einen wahren Anrede-Wildwuchs. Da gibt es Unternehmen, die in ihrer Kommunikation zum „du“ übergegangen sind, ob bei Facebook oder im täglichen Geschäft. In deren Stellenanzeigen stehen dann Sätze wie „Möchtest du deine Fähigkeiten in einem kontinuierlich wachsenden Unternehmen einbringen?“ und „Sende uns deine Bewerbungsunterlagen unter Angabe deiner Gehaltsvorstellung“. Der weitere Text lässt dann eindeutige Rückschlüsse zu, dass die gesuchte Person weit über 30 sein muss, um das Anforderungsprofil zu erfüllen. Ich fühle mich von solchen Stellenanzeigen sehr befremdet, bewerben würde ich mich dort nicht. Dann gibt es Unternehmen, die in den Social-Media-Tools duzen, auf allen anderen Kanälen aber siezen.  Das ist dann konsequent inkonsequent und führt nicht selten zu Peinlichkeiten. So hat eine Hilfsorganisation einen Ehrenamtlichen bei Facebook geduzt, obwohl sie den Herrn sonst immer siezt. Der Herr war 81 Jahre alt und ich habe mich fein fremd geschämt. Wie mag sich der Mann wohl gefühlt haben? Vielleicht ja ohne jegliche emotionale Regung? Vielleicht ist das Anrede-Problem mein ganz eigenes Problem, das kaum jemand sonst hat?!

    Ist Höflichkeit falsch?

    Das alles geht mir durch den Kopf während ich überlege, wie ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser ansprechen soll. Man würde wenig Verständnis für mein Problem haben, heißt es in meinem Bekanntenkreis. Die LeserInnen fühlten sich vom „Sie“ nicht angesprochen und im schlimmsten Fall sogar abgestoßen. Ich kann aber nicht aus meiner Haut, denn das „Sie“ ist für mich eine Form der Höflichkeit. Ich zolle Ihnen damit meinen Respekt. Kann das falsch sein?

    Das soll aber nicht bedeuten, dass ich alles andere für respektlos hielte. Keineswegs!. Es ist mein ganz eigenes „Dilemma“, und ich habe volles Verständnis für den Usus, der sonst gehandhabt wird. Es ist ein bisschen so, als würde ich zur Faschingsparty als Einzige unverkleidet kommen, während um mich herum alle Kostüme tragen und ausgelassen feiern.

    Aber lassen Sie mich zum Schluss doch noch eine Lanze für das „Sie“ brechen: Ich bin überzeugt, dass im Internet weniger getrollt* und gepöbelt werden würde, wenn das „Sie“ üblich wäre. Denn wie heißt es im Volksmund: „Es sagt sich leichter „du Arsch“ als „Sie Arsch“.

    Ihre Ulrike Seifart

    *Eine Tätigkeit, die auf emotionale Provokation im Netz zielt. (Substantiv: der Troll)

    PS: Ich möchte gerne Ihre Meinung dazu hören. Fühlen Sie sich vom „Sie“ in diesem Blog abgestoßen? Wenn ja, warum? Oder empfinden Sie die Anrede angenehm oder Ich freue mich auf eine anregende und offene Diskussion.