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Mann vor See mit Bergpanorama

Urlaubsgrüße aus den Bergen

Zieht es uns sonst im Sommer an Ost- oder Nordsee, wollten wir dieses Jahr hoch hinaus. Die Berge sollten es sein, wir wollten wandern, in Bergseen schwimmen, Burgen bestaunen, Gipfel erklimmen und Seilbahnfahren. Für jeden von uns sollte etwas dabei sein: sportliche Herausforderung, Kurzweil und ganz viel Natur. All das haben wir gefunden und noch viel mehr, am Fuße des höchsten Bergs Deutschlands und des fünfzehnhöchsten Österreichs. Wir waren in der Zugspitzregion Tirol.

Der örtliche Tourismusverband gab der Region den Namen „Zugspitz Arena“, vermutlich aufgrund des Wintersports. Der Name sollte einen nicht täuschen und schon gar nicht von einem Urlaub abhalten. Denn es gibt zwar etliche Sommertouristen, aber die Region ist weit davon entfernt, eine laute, quirlige und hyperventilierende Sommerdestination zu sein. So unser Eindruck.

Berge, Seen und mehr

Panoramaweg (Bild: Tiroler Zugspitz Arena | U. Wiesmeier)

Den Besucher erwartet ein breiter und grüner Talkessel, der umringt ist von Bergen. Kleine, nette Ortschaften fügen sich in die Landschaft ein. Für Familien ist der Platz ideal: Im Umkreis von weniger als 15 Kilometern befinden sich fünf Bergbahnen, die Zugspitzbahn eingeschlossen. Über 150 Wanderrouten stehen zur Verfügung, von Kindererlebnispfaden bis zu anspruchsvollen Steigen. Für Abkühlung sorgen kristallklare Bergseen, Badeseen, Quellen und Wasserfälle, für Abwechslung Bauernhöfe und Käsereien zum Mitmachen, ein Kletterwald, Schiffsrundfahren, Canyoning, Streichelzoo, Bogenschießen, Minigolf und anderes.

Und wenn es regnet? Dann besucht man im Tal das Familienbad und die Indoorkletterhalle oder macht einen Ausflug zur Burgenwelt Ehrenberg (20 km), ins bayrische Garmisch-Partenkirchen (20 km), zum Märchenschloss Neuschwanstein (40 km) oder in das Freilichtmuseum Glenleiten (50 km).

Es wird viel getan vom örtlichen Tourismusverband und den Betrieben, um Besucher in das Tal zu holen und auch dort zu halten. Neben den aufgezählten Freizeitangeboten gibt es zahlreiche Veranstaltungen, insbesondere für Familien. Organisierte Spielfeste, Sonnenaufgangsfahrten, geführte Wanderungen, Kletterkurse und Erlebnistage im Wald sind nur einige davon. Das Engagement und die liebevolle Umsetzung haben uns sehr positiv überrascht.

Persönlicher Tipp: Die Orte Ehrwald und Lermoos gefielen uns am besten. Hier findet sich ganz bestimmt Platz auf einem Bauernhof oder Campingplatz, in einer Ferienwohnung oder einem Hotel.

Unsere To-do-Liste:

Unbedingt machen

3-Seen-Wanderung (circa 12 Kilometer, nicht kinderwagentauglich)

Blindsee (Bild: Ulrike Seifart)

Eine wunderbare Rundtour, die das Herz berührt und zum Jauchzen verführt. Der Weg ist abwechslungsreich, es geht teils steil hoch und runter, durch Nadelwälder, auf Pfaden und breiten Wegen, vorbei an Wiesen und drei bezaubernden Seen. Der Blindsee ist der schönste. Viele lauschige Stellen laden zum Hineinspringen in das türkisblaue, grundklare Wasser ein. Da möchte man bleiben, ein Zelt aufschlagen und der untergehenden Sonne nachschauen. Entgegen der verlinkten Route ließen wir unser Auto beim Fernpass Nahe Weißensee stehen (mehrere Parkmöglichkeiten) und liefen von dort die Tour im Uhrzeigersinn. Den Römerweg kürzten wir ab und liefen direkt am Blindsee, westliche Seite entlang. Von dort führt ein steiler Weg nach oben zur einzigen Gastwirtschaft (Rasthaus Zugspitzblick) auf der Strecke.

Wassererlebnisweg „Zugspitzi“ (3,1 km, nicht kinderwagentauglich)

Wassertreten, Forschen, Spielen und dabei ein Rätsel lösen: Der Wassererlebnisweg ist schön in die Landschaft eingebettet, abwechslungsreich, nett gemacht und erfreut die Kinder. Perfekt für Tage, um bergmüde Füße auszuruhen und auch bei bewölktem Himmel. Einzig der Rätselgewinn, ein gestalterisch in die Jahre gekommener Pin, sorgte für ein langes Kindergesicht und sollte vom Tourismusverband geprüft werden. Er müsste auch nicht sein, der Weg ist Belohnung genug.

Moosles Forscherpfad (2,2 Kilometer, nicht kinderwagentauglich)

Ein weiterer empfehlenswerter Erlebnisweg mit verschiedenen Stationen wie Baumhaus, Spielplatz, Barfußpfad und Rätsel. Mit einer Brotdose als Gewinn bekleckert sich der Tourismusverband aber auch hier nicht mit Ruhm. Dann doch besser weglassen.

Unter Umständen

Seebensee (Bild: Ulrike Seifart)
Seebensee (Bild: Ulrike Seifart)

Seebensee-Wanderung (circa 10 Kilometer, auf Fahrweg kinderwagentauglich)

Die Seenwanderung ist das touristische Aushängeschild der Region. Dadurch bekommt die aussichtsreiche Bergtour einen etwas bitteren Beigeschmack. Denn wir teilten uns den Weg mit gefühlten tausenden anderen Wanderern und E-Bike-Fahrern. Das Endziel, der kristallklare Seebensee, stimmte aber wieder milde.

Burgenwelt Ehrenberg

Hängebrücke „Highline 179“ (Bild: Burgenwelt Ehrenberg)

Auf den ersten Blick schön, unverfänglich und nett, auf den zweiten Touristennepp: Wir sind in die Falle gegangen und besuchten mit Hunderten anderen Menschen aus Europa, Asien und dem Nahen Osten die Burgenwelt Ehrenberg, „buchten“ das ganze Programm mit Schatzsuche, Hängebrücke und Museen. Der als „zauberhaft “ beschriebene Schatzsuchweg entpuppte sich als öder Aufstieg zur Ruine, die mit 5,80 Euro erkaufte und didaktisch nicht ganz astreine Schatzsuche endete in einer CD-Rom fürs Kind. Einem Datenträger, der seine besten Zeiten lange hinter sich hat.
Die mit 406 Metern angeblich längste Hängebrücke braucht vor allem eines: einen guten Gleichgewichtssinn und Angstfreiheit vor Höhe. Hatten wir, und trotzdem war die schaukelnde Konstruktion, die über eine Bundesstraße führt, kein Vergnügen. Dafür aber das Museum und die Naturausstellung, die beide liebevoll und kurzweilig gemacht sind. Von der ansässigen Gastronomie lässt man auch besser die Finger. Fazit: Außerhalb der Ferienzeiten, ohne Hängebrücken-Gedöns und Schatzsuche, mit Spazieren, Spielplatz- und Museenbesuch ist die Burgenwelt durchaus einen Ausflug wert.

Besser lassen

Zugspitze

Die Zugspitze (Bild: Ulrike Seifart)

Ja, tatsächlich – auf die Attraktion der Region, die Zugspitze, hätten wir im Nachhinein besser verzichtet. Zu teuer, zu laut, zu einseitig und wenig nachhaltig ist das kurz währende „Vergnügen“. Wohlgemerkt spreche ich von der Seilbahnfahrt. Zu Fuß den Berggipfel zu erklimmen, sei grandios, meint mein Mann. Zugegeben, die Aussicht oben ist phänomenal. Das konnte aber durch laut grölende Bahn-Mitfahrende und dem Trubel oben mit Weißwurst, Tschingderassabum und Souvenirstand nicht aufgewogen werden. An schönen Tagen ist zudem mit langen Wartezeiten zu rechnen.

Übrigens hatten wir in zwei Wochen überwiegend bewölktes oder regnerisches Wetter. Trotzdem würden wir wieder in die Region fahren. Zu schön ist die Landschaft, zu vielfältig sind die Möglichkeiten, als das wir uns vom Regenrisiko abhalten lassen würden.

(Titelbild: Seebensee, Tiroler Zugspitz Arena, U. Wiesmeier)

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